Individualismus vs. Gruppendynamik

Menschen und ihre Charaktere faszinieren mich wahnsinnig, aber manchmal verunsichern sie mich so dermaßen, dass ich dann über mein ‚Dasein‘ auf dieser Welt wieder nachdenke…

Lustigerweise passiert mir das meist, wenn ich mir im Vorfeld gar nicht soviele Gedanken mache.. Das ist für mich teilweise wirklich ein Phänomen… Mach ich mir im Vorfeld Sorgen über ein Treffen, wie ich mich fühlen könnte oder wie ich wirken könnte, verläuft alles easycheesy,.. Das gleiche ist aber auch manchmal, wenn ich mir vom nächstgelegenen Arbeitstag nichts großartiges erwarte oder keine Diskussion erwarte, dann kommt unverhofft ein kleiner Kommentar, der mich wieder kurz stutzig macht und ich mir denke, hoppla, was hab ich denn jetzt schon wieder falsch gemacht.. Ich denke, dass ist der Grund warum ich mich bei den meisten Menschen/Gruppen/Ansammlungen nicht ganz wohl fühle oder umgekehrt, es nur eine handvoll Menschen gibt, wo ich ICH sein kann.

Zu diesen – wieder mal für mich – verworrenden Gedanken brachte mich, unsere kleine Mädelstruppe von der Arbeit. Wir sind vier – eine anders als die Andere und doch harmonisieren wir miteinander auf eine Art und Weise, die ich mag und auch ihre Gesellschaft wahnsinnig schätze. Mit einer verbindet mich inzwischen eine ganz tiefe Freundschaft, die ich nie missen wollen würde. Wir schätzen uns alle, jeder hat seine positiven als auch negativen Eigenschaften, die wir auch gegenseitig akzeptieren und das finde ich so schön. Und trotzdem, verunsichert mich die Konstellation ab und an, weil ich dann Statements höre, die ich schwer zuordnen kann.

Gestern hatten wir wieder einen wunderbaren Abend, wobei nur drei von uns zugegen war, weil die Vierte ein heißersehntes Treffen mit ihren womöglichen neuen Zukünftigen hat (Spoileralarm: es war ein sehr erfolgreiches Date mit Wiedersehenpotential). Wir waren trotzdem zu viert, da vom privaten Bereich der Gastgeberin, auch jemand dabei war, die auch sehr gut zu unserer unabhängigen starken Frauentruppe passt (oder wie die abwesende Dame mal meinte: einfach tolle Frauen sind).

Am gestrigen Abend tanzte ich schon aus der Reihe, weil gerade Fastenzeit ist und ich mir Clean Eating für die 40 Tage vorgenommen habe, was eigentlich leicht zu meistern ist, solange man nicht Essen geht und nicht genau weiß, was einem serviert wird. Beim Raclette war das alles sehr leicht, weil man sich die Sachen selber zusammenstellen kann, aber ich habe auch gesagt, dass ich auf Alkohol soweit verzichte, wie es mir nicht sonderlich weh tut und daher habe ich auch nicht getrunken (nur Leitungswasser).

Der Abend war aus meiner Sicht ein voller Erfolg: megaleckeres Essen (alle waren zufrieden), ein lustiges Spiel (nicht jeder fand es so gut, ich aber mega), genug Alkohol, viel Gelächter, viele Geschichten.. Während des abends wurde ich schon öfters gefragt, ob alles okay wäre, was ich jedesmal bejahte, aber scheinbar sah man es mir nicht an. Ich war aber happy: ich aß (Raclette), ich lauchte (Anekdoten, Geschichten), ich lachte (Anekdoten, Geschichten), ich dachte (Quizspiel),… mehr brauch ich einfach nicht für einen erfolgreichen Abend!

Nun zu meiner Stutzigkeit: Die Vierte im Bunde wollte ursprünglich nach ihrem Date zu uns stoßen, wobei ich schon im Vorfeld der Meinung war, das wird nix!!! Dafür haben sie sich telefonisch einfach schon zu gut verstanden und da meinte die Gastgeberin, dass sie sich eigentlich erst mal einen Freundesstamm aufbauen sollte bzw. diesen festigen. Ich erwiderte, dass sie das doch schon hätte. Jedoch war sie nicht meiner Meinung. Länger als 3 Minuten haben wir nicht darüber diskutiert, da unsere Ansichten scheinbar auseinandergingen. Was mich aber sehr wohl zum Nachdenken brachte, denn die Argumentation war, wir treffen uns gar nicht oft im privaten Rahmen und ich bin der Meinung, dass wir sehr wohl schon ein Band gefestigt hätten, auch wenn wir nicht jedes Wochenende beieinander sind..

Ich finde es spannend wie sehr die Meinung auseinandergehen kann, was Freundschaften und deren Festigung betrifft. Für mich kommt und geht eine Beziehung, aber so eine Truppe wie wir es derzeit sind, die bleibt.. egal, ob sich eine Person etwas rarer macht und die ersten Wochen des „Verliebtseins“ auskostet oder bei jedem Treffen dabei ist..

Das war aber nur die Geschichte, die mich zur Stutzigkeit brachte, denn über das Thema kann ja bitte wirklich jeder seine Meinung haben. ABER ich sage ungefähr 66 % der Treffen ab oder anders, ich sage gar nicht zu, was diverseste Gründe hat, meistens weil ich nicht trinken will, weil ich am Folgetag etwas vor habe, wo ich keine Lust auf einen dicken Kopf habe *lach* Heißt es dann, dass ich die Bande zwischen uns nicht festige? Ich muss auch ehrlich gestehen, dass ich mich auch nicht irgendwann wundern würde, wenn ich gar nicht eingeladen werde, weil ich eh meistens absage. Ein Treffen wie gestern geht bei mir aber meistens, denn ich persönlich habe genau soviel Spass wenn ich nicht trinke… Falls ich am nächsten Tag was vorgehabt hätte,wäre ich zu diesem Treffen auch gekommen und hätte schon angekündigt, dass ich mich um 22 Uhr verstschüssen werde, das hat beim letzten Mal Essen gehen auch gut funktioniert. Also keine Ahnung, ob ich auch zur Kategorie gehöre, dass ich eigentlich achten sollte, die Bekanntschaft/Freundschaft mehr zu festigen,.. Mir reicht das, was wir jetzt haben – ehrlicherweise – und macht mich nur ein klein wenig unsicher!

Das was mich dann aber wirklich stutzig gemacht hat, war mein Abschied. Da ich wieder mal Ohrenschmerzen bekommen habe (entweder die Reste meiner Krankheit vor 3 Wochen oder ich habe in den letzten Tagen einfach zu viel gefroren), meinte ich nach unserer Quizrunde, dass ich nun nach Hause gehe. Die normale Reaktion ist eingetreten, wieso, weshalb, bleib doch.. das macht jeder, ich glaube, dass ist wie das obligatorische: „Wie geht’s?“ oder das Amen im Gebet *grins*

Unsere Gastgeberin hat mich noch zur Tür begleitet, ich bedankte mich für den schönen und wirklich lustigen Abend und sie sah mich an und meinte, sie glaube nicht, dass ich Spass gehabt hätte und ich wäre so ruhig gewesen und das wäre nicht ich. Nachdem ich zweimal beteuert hätte, dass ich es wirklich super fand und ich mich danach Richtung U-Bahn aufmachte (wo die Ohrenschmerzen noch mieser wurden) dachte ich über die Verabschiedung nach bzw. über ihre Worte. Ja ich war ruhig, aber ich glaube ich bin meistens so ruhig, wenn wir uns zu so einer Truppe treffen, ich habe an die letzten Treffen gedacht und da war es immer so.

  • Pizzaessen, wo die Gastgeberin nicht dabei war – eher ruhig (da meinte aber unsere gestrige Datemaus auch, dass ich so nachdenklich wirke).
  • Davor war die Einweihungs-/Geburtstagsparty unserer Datemaus und da wurde ich auch eine handvoll Mal gefragt, ob alles okay wäre, weil ich so ruhig bin.
  • Halloweenfeier bei der Dritten (die mir inzwischen Freundin und weniger Kollegin ist), war ich auch sehr ruhig, wobei da ging es mir wirklich schlecht (und wir dachten alle, das läge daran)

Also im Prinzip denke ich, dass das mein wahres Ich ist.. aber nun bin ich mir wiederum unsicher, ob ich mich womöglich doch nicht wohl gefühlt hätte? Ich denke nicht, aber wenn ich den Anderen das Gefühl gebe, dass ich mich unwohl fühle, habe ich irgendwie auch wiederum keine Lust hinzugehen, weil ich ihnen dieses Gefühl nicht geben will..

Mir fällt dabei nur wieder auf, dass ich als Individum, mit strengen Regeln an mich selbst (gestern das Trinken und Essen), auffalle… Ich wollt erst eben ’negativ auffallen‘ schreiben, aber das hoff und glaub ich doch nicht.. Manchmal glaub ich einfach, dass ich nicht gesellschaftsfähig bin,…

Mich würde ja interessieren, ob alle sich manchmal so dermaßen anders fühlen oder ob ich wirklich so eigenartig für Andere agiere, weil ich die Regeln der Gruppendynamik so gar nicht folge!

Eure (scheinbar) Individualistin

 

2 Kommentare zu „Individualismus vs. Gruppendynamik

  1. Erstmal: Du bist schon richtig wie du bist. ;o)

    Jetzt etwas zu deuten oder zu vermuten, ohne dabeigewesen zu sein, ist schwierig.
    Spontan könnte ich mir vorstellen, dass insgeheim vielleicht noch die Geschichte zu deinem letzten Beitrag über dir schwebt.

    Und zu dem Auffallen: Hey – wenn du mal nichts trinken willst, ist das nicht gleich auffallenswürdig. Das mach ich schon seit Jahren, da ist das ganz normal und keines Aufhebens werd. Von daher solltest du dich nicht gezwungen sehen, nur weil alle anderen Alkohol trinken, da unbedingt mitmachen zu müssen.
    Aber du bist inzwischen alt genug – das solltest du ja wissen. ;o)

    Aber schon komisch, wenn man dir deine gute Laune absprechen will… sei’s drum.

    Genieße die Feste wie sie fallen.
    (Gibt’s hier eine Phrasenkasse? ^^)

    Liken

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